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Völker höret die Pedale - Teil 3: Kapstadt
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Text: Bartholomäus Grill (Die Zeit vom 31. März 2010)   

Seit wir nach Kapstadt umgezogen sind, rostet unser Hollandrad im Hinterhof vor sich hin und wird kaum je bewegt. Warum? Weil Radfahren in dieser Stadt einfach lebensgefährlich ist.

Nicht dass es am Kap keine Fahrrad-Kultur gäbe — im Gegenteil. Am Wochenende frequentieren zahllose Mountainbiker die steilen und steinigen Pfade an den Flanken des Tafelbergs. Und einmal ihm Jahr findet der Cape Argus statt, das größte Radrennen der Welt mit 35 000 Teilnehmern. Zuletzt war sogar ein gewisser Lance Amstrong dabei — und verlor.

kapstadt-01 Aber in Kapstadt wird das Fahrrad fast ausschließlich als Sportgerät verwendet. Nur in den schwarzen und farbigen Townships ist es ein Verkehrsmittel, in der weißen City so gut wie nicht. Radwege sind hier so unbekannt wie Schneepflüge. Wer dennoch tapfer durchs Verkehrsgewühl strampelt, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Fast jeden Monat werden Radfahrer totgefahren, und meistens fühlen sich die Autofahrer vollkommen unschuldig. Motto: Was haben Zweiräder schon auf Teerstraßen verloren?

Einmal bremste ein Pritschenwagen so scharf vor mir ab, dass ich ihm bei nahe auf die Stoßstange geradelt wäre.

Als ich lautstark protestierte, verfolgte mich der wütende Fahrer, und ich konnte mich in letzter Sekunde in einen schmalen Fußweg retten. Der Wahnsinnige schrie mir übelste Beleidigungen nach und ließ keinen Zweifel daran, dass er mich am liebsten überrollt hätte.

Kapstadt hat kein öffentliches Verkehrssystem, das den Namen verdiente. Es gibt ein paar Vorortzüge, die so aussehen wie die Waggons der Union Pacific nach einem Indianerangriff. Die Arbeiter aus den Townships werden in kriminell überladenen Minibussen ins Zentrum gekarrt — die Leute nennen sie rasende Särge.

Zur Fußball-WM im Juni sollte sich das alles ändern. Cape Town wollte sich der Welt als grüne Metropole präsentieren mit umwelt-freundlichen Taxis, Bürgersteigen, Radwegen. Die Idee kam übrigens von der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung. Aber was nützen die schönsten Radwege, wenn sie niemand befahren will? Und weil bisher von dem ehrgeizigen Ökoprogramm nicht viel zu sehen ist, muss unser armes Hollandrad weiterhin unbewegt vor sich hinrosten.

(Text gefunden in der "Zeit" vom 31. März 2010)

 

 

 

 
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