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Kaum sind Schnee und Eis geschmolzen, radelt es auf Berlins Straßen und Wegen: 50 Prozent mehr Radfahrer als 1998 vermeldet Burkhard Horn, Leiter des Referats für Grundsatzangelegenheiten der Verkehrspolitik bei der Senatsverwaltung. Trotz der Abwrackprämie geht der Trend hin zum Drahtesel
Neue Bike-and-Ride-Fahrradständer vor U-und S-Bahnhöfen glänzen in der Sonne. Am schönsten sind die Fahrradstreifen auf der Straße, von denen einige, wenn auch viel zu wenige, in den letzten Jahren dazugekommen sind. Hier lässt es sich gut durch die Frühlingsluft sausen, sogar paarweise nebeneinander, ohne dass ein Autofahrer gleich den Herzkasper kriegt.
Selbst bei der krisengeschüttelten Bahn, die ja einst mit dem Flugzeugmanager Hartmut Mehdorn an der Börse abheben wollte, ist das bodenständige Fahrrad zum Hoffnungsträger geworden. Satte 30 Prozent mehr Kunden konnte Call a Bike letztes Jahr verbuchen. Seit vergangener Woche stehen die bahneigenen Leihräder wieder in vielen deutschen Städten. In Berlin soll ihre »Integration in die Mobilitätskette des öffentlichen Nahverkehrs verbessert werden«, wie Burkhard Horn es griffig formuliert. In einem Pilotprojekt, das vom Berliner Senat und vom Bundesverkehrsministerium unterstützt wird, können bestimmte Räder jetzt problemlos mit einer Chipkarte ausgeliehen werden. Später soll das auch mit dem U- oder S-Bahn-Ticket gehen.
Und sonst? Pioniere des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes haben jüngst das » erste Fahrradkino der Welt« -in Berlin- vorgestellt. Ganz in der Nähe jenes berühmten Clubs, in den 17-jährige Axolotl-Mädchen nicht reindürfen und darüber den Verstand verlieren, haben zwölf zu Kleinkraftwerken umgerüstete Fahrräder einen Kinoprojektor mit Energie versorgt. »Mehr als fünf Minuten halten die meisten Zuschauer nicht durch«, sagt die Kinofrau Katja Holtz. Aber es geht!
Aus den Anfängen schon heraus ist Robert Müller von Free Berlin Tours. Nach dem Politik-und Soziologiestudium (»abgeschlossen!«) hat er sich mit Fahrradführungen selbstständig gemacht. Inzwischen arbeiten acht Stadtführer für ihn. Seine Spezialität: Fahrradschnitzeljagd durch die Bundeshauptstadt. Kann man da als Autofahrer noch Nein sagen? |